Ich stehe in einem Raum, aus der einen Ecke ruft meine älteste Tochter: Mamaaaa, kann ich… Meine mittlere Tochter steht vor mir und ist gerade aus dem Mittagsschlaf geweckt worden – noch nicht richtig wach und daher lautstark am Protestieren, dass sie doch gerne weiterschlafen würde. Das Baby verlangt nach mir, weil es Hunger hat. Das Fenster steht offen und das Rauschen der vorbeifahrenden Autos des Feierabendverkehrs dringen hinein. In der Küche steht mein Mann und will etwas von mir wissen. Überall von allen Seiten dringen laute Geräusche auf mich ein. Innerlich merke ich wie alles in mir eng wird – ich will am liebsten aus der Situation fliehen.

Ich bin überfordert von den Geräuschen, die auf mich einprasseln. Ich sehne mich nach einem Moment der Stille. Kein Geräusch, einfach Ruhe. Ich weiß, ich habe jetzt zwei Optionen mit der Situation umzugehen. Eine eher Unweise und eine etwas Weisere. Intuitiv wähle ich zum Nachteil aller Beteiligten die Unweisere. Ich fordere mir lautstark ein, dass doch gerade einmal alle ruhig sein sollen. Ich werde selbst laut, um meine Sehnsucht nach einem kurzen Moment Stille zu stillen. Diese Stille hält nur eine Sekunde an, die Schrecksekunde. Meine Älteste Tochter steht vor mir und fängt an zu weinen: Mama, das war so laut…. Die Mittlere trauert lauter dem Mittagsschlaf hinterher und die Kleinste weiß sowieso nicht, was hier gerade geschieht und bekundet weiter ihren Hunger. Ich fühle mich schlecht, weil ich mal wieder laut geworden bin, weil ich mal wieder nicht den weisen Umgang gewählt habe. Doch was ist eigentlich der weise Umgang?

In der Bibel heißt es: „Kommt alle her zu mir, die ihr euch abmüht und unter eurer Last leidet! Ich werde euch Ruhe geben.“ Matthäus 11,28 (HfA). Wow, was für ein unglaublicher Zuspruch. Wenn ich mich von den Dingen um mich herum überfordert fühle, wenn meine Kinder alle gleichzeitig was von mir wollen und mir der Haushalt noch im Nacken sitzt, dann muss ich nicht verzweifeln. Wenn meine Sehnsucht nach Stille und Ruhe so groß ist, dann habe ich jemand zu dem ich gehen kann. Jemand, der mir meine Last abnimmt und mir innere Ruhe geben kann. Dieser Jemand ist Jesus. Ich kann zu ihm in dieser Situation gehen und ihn bitten, dass er mir Weisheit gibt im Umgang mit den Dingen, die mich überfordern. Ich darf jederzeit wissen, dass ich es nicht selbst schaffen muss. Ich bin es nicht, die meine Sehnsucht stillen kann und muss. Das möchte Jesus für mich tun. Wenn ich nicht die Möglichkeit habe, aus dem Raum zu gehen und mir einen Ort der Stille zu suchen und durchzuatmen (auch das ist eine gute Alternative), kann ich in mich hineingehen, in meinen inneren Garten, der Ort der Begegnung mit Jesus. An diesem Ort finde ich einen kurzen Moment Ruhe inmitten des Chaos um mich herum. In der Stille vor meinem Retter. Ich atme durch in seiner Gegenwart.

Das klingt alles so einfach und unkompliziert, doch in der Realität habe ich gemerkt, dass es eine echte Herausforderung und eine intensive Schule ist. Wie du oben schon gelesen hast, ist in die Ruhe vor Gott zu treten und ihn um Hilfe zu bitten oft nicht mein erster Weg. In meiner Überforderung ist oft der schnellste Weg laut zu werden, das ist aber auch der Schädlichste für mich und die anderen in meinem Umfeld. Danach werde ich oft von einem schlechten Gewissen geplagt. So wollte ich das doch nicht… Ich darf lernen noch mehr im Fokus auf Jesus solche Situationen zu meistern. Bevor irgendwas aus mir herausplatzt, erst einmal die Augen zu schließen, langsam zu atmen und innerlich ein kurzes Stoßgebet zu sprechen: „Herr, schenk mir Weisheit mit dieser Situation. Im Umgang mit mir selbst und meiner Familie.“

Ich möchte dich ermutigen heute darüber nachzudenken, was bewegt dich, wo versuchst du Dinge aus eigener Kraft zu lösen? Wo kannst du Gottes Hilfe noch mehr suchen? Wo kannst du bei Gott zur Ruhe kommen?