Es gibt eine Geschichte in der Bibel, die mich immer wieder fasziniert, wenn ich sie lese. Jesus tut unglaubliche Wunder. Wie du dir vorstellen kannst, waren da, wo Jesus war, sehr viele Menschen.

So auch in dieser Geschichte: Er war gerade über den See Genezareth gereist, als bei seiner Ankunft bereits eine ganze Menschenmenge auf ihn wartete. Das Wort, das hier verwendet wird, wird übersetzt mit „unordentliche, unorganisierte Menge“. Ich stelle mir das so vor, wie auf einem vollen Marktplatz. Da wird gedrängelt, gerempelt und man hat keine Übersicht über das Geschehen. Da heißt es Ellenbogen ausfahren und durchkämpfen.

In diesem Getümmel kommt Jaïrus, der Vorsteher einer jüdischen Gemeinde, zu Jesus, da seine zwölfjährige Tochter im Sterben liegt. Er fleht Jesus mit ihm zu kommen und seine Tochter zu retten und sie gehen gemeinsam los. Zur gleichen Zeit steht eine Frau in der Menge, die seit vielen Jahren schon an Blutungen litt. Niemand hatte ihr helfen können. Vor kurzem hörte sie von diesem Wunderheiler – er war ihre letzte Chance auf ein normales Leben. Sie musste zu ihm. Als sie dort hinkam, wo dieser Jesus sein sollte, wurde ihre Hoffnung fast niedergeschmettert.

„Wie soll ich nur durch diese Menge kommen, zu diesem einen Mann?“

Sie nahm allen Mut zusammen und kämpfte sich durch die Menge, denn sie hatte gehört, wohin Jesus unterwegs war und begab sich etwas weiter entlang des Weges in die Menschenmenge. Plötzlich sah sie, dass Jesus bereits an ihr vorbeigelaufen war – in ihr stiegen die Tränen auf. Das Einzige, was sie noch sehen konnte, war sein Gewand, allein dieses zu berühren, müsste sie doch heilen. Wie im Reflex griff sie danach und bekam nur den Saum des Gewandes zu greifen, der ihr sogleich, schon wieder aus den Fingern glitt. In dem Moment, als sie den Saum berührt hatte spürte sie, dass die Blutung sofort aufgehört hatte und konnte es fast nicht glauben. War das gerade wirklich passiert? Von der Faszination noch überrumpelt wird die Menschenmenge gefühlt still, als sie eine Stimme ertönt: „Wer hat mich angefasst?“

Peinlich berührt steht sie schnell auf und will weglaufen, doch ihre Füße wollen sie nicht so richtig tragen. Sie hört einen Jünger sagen: „Meister, hier sind so viele Menschen – wir werden von allen Seiten bedrängt, es kann jeder gewesen sein!“ Doch Jesus erwiderte, dass er eindeutig gespürt habe, dass heilende Kraft von ihm ausgegangen war. Die Frau erkennt plötzlich, dass er alles mitbekommen hatte. Sie lässt sich vor ihm auf die Knie fallen, peinlich berührt. Sie beginnt sich zu rechtfertigen, weshalb sie es getan hatte. Sie schämte sich. Jesus schaut sie mit Liebe an und sagt: „Meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden!“ (Nach Lk 8, 40-48)

Ist es nicht erstaunlich? Die Frau hat eigentlich keine Hoffnung mehr, jemals geheilt zu sein. Sie hat ihr gesamtes Hab und Gut verscherbelt, damit ihr jemand helfen würde. Sie findet keine Ruhe, keinen Frieden. Sucht verzweifelt nach einer Lösung. Dann hört sie vom Wunderheiler und spürt: Das ist ihre letzte und einzige Chance. Sie setzt ihr ganzes Vertrauen auf eine Begegnung mit diesem mysteriösen Mann von dem alle redeten. Sicher hat sie sich diese Begegnung anders vorgestellt, als sich durch eine chaotische Menschenmasse zu kämpfen und dann nur den Saum seines Gewandes in die Finger zu bekommen. Sie spürt das an diesem Mann etwas anders ist als bei allen Ärzten zuvor. Ihr sind alle Mittel recht, um irgendwie zu diesem Mann zu kommen. Wenn man bedenkt, dass die Gewänder oft bis zum Boden reichten, müsste diese Frau ja vielleicht sogar am Boden entlang gekrochen sein, um durch die Menge zu kommen, um dann diesen Saum zu greifen.

Hast du gerade Punkte in deinem Leben, an denen du verzweifelt nach Veränderung suchst? Du hast schon alles probiert und es wird nicht besser, sondern eher schlimmer? Positionier dich heute zu den Füßen Jesus und greife nach seinem Saum. Er kann dich heilen, er kann dir Veränderung schenken. Vor allen Dingen will er dir wahren Frieden schenken. Du kannst heute anfangen ihm neu zu vertrauen. Er hat das Beste für dich vorbereitet. Du musst dich nicht selbst retten – er hat dich schon gerettet! Du darfst die Kraft, die von ihm ausgeht in deinem Leben spüren!